Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz hat am 10. Juli 2026 die neue „Bund-Länder-Vereinbarung zur Förderung der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur“ verabschiedet und veröffentlicht . Damit steht fest, dass die NFDI über 2028 hinaus weitergeführt und ab dem 1. Januar 2029 in neuer Form gefördert wird. Die Vereinbarung beschreibt zunächst einen Rahmen. Zahlreiche konkrete Ausgestaltungen werden in den nächsten beiden Jahren entschieden. Wir möchten kurz einordnen, was der Beschluss aus Sicht von NFDI4Chem bedeutet.
Eine langfristige, finanziell verlässliche Grundlage
Bund und Länder haben sich auf einen Förderzeitraum von 2029 bis 2038 verständigt und stellen dafür gemeinsam bis zu 98,7 Mio. Euro jährlich bereit. Der Wissenschaftsrat hatte eine institutionelle Perspektive empfohlen, die BLV geht mit einer zehnjährigen Förderung einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Die Mittel werden im Verhältnis 90 zu 10 von Bund und Ländern getragen. Zusätzlich ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) administriertes Innovationsprogramm vorgesehen, das neue Entwicklungen im Forschungsdatenmanagement aufgreifen und erproben soll. Diese Beschlüsse sind ein klares und finanziell gewichtiges Bekenntnis zum Forschungsdatenmanagement, gerade in Zeiten, in denen vielerorts gespart wird.
Die fachliche Arbeit bleibt bei den Communities
Künftig findet die fachliche Arbeit in stabil finanzierten Fachbereichen statt, die ihre Aktivitäten und ihr Diensteportfolio eigenständig organisieren, koordinieren und verantworten. Geleitet wird ein Fachbereich von einer bzw. einem aus einer Mitgliedseinrichtung gewählten ehrenamtlichen Sprecher/in gemeinsam mit einer Koordinationsstelle im NFDI Verein. Die inhaltliche Steuerung liegt also weiterhin in der Händen der Fachgemeinschaften.
Damit verbunden ist eine strukturelle Veränderung. Die einzelnen Konsortien treten in den Hintergrund, die Arbeit bündelt sich in maximal acht Fachbereichen. Für uns bedeutet das, gemeinsam mit fachlich nahestehenden, naturwissenschaftlichen Konsortien auszuloten, wie ein gemeinsames Arbeitsprogramm und ein abgestimmtes Diensteangebot aussehen können. Hier sind wir mit einigen anderen Konsortien bereits in einem teilweise engen Austausch, in interkonsortialen Workshops und regelmäßigen Gesprächen. Wir sehen darin vor allem die Möglichkeit, unsere Stärken bei chemischen Forschungsdaten sichtbar in einen größeren Verbund einzubringen.
Dienste können vor Ort weiter betrieben werden
Erfreulich klar regelt die Vereinbarung den Betrieb von Diensten. Betreiber schließen Kooperations- bzw. Weiterleitungsverträge mit dem NFDI e.V. und erhalten dafür Mittel. Wir können unsere Dienste also weiterhin mit dem bei uns vorhandenen, kompetenten Personal betreiben.
Mitgestaltung statt Vorgaben – auch beim Monitoring
Vorgesehen ist ein regelmäßiges, erfolgsorientiertes Monitoring der Dienste über eine sogenannte Erfolgsindikatorik. Dazu stehen die Details noch aus. Wichtiger als der Kontrollaspekt ist für uns die Gestaltungsseite. Über die Aufnahme neuer Angebote und über den Einsatz der Ressourcen wird in den Gremien der NFDI gemeinsam mit den Fachbereichen entschieden. Die Communities und weitere Beteiligte der Dateninfrastruktur können hier aktiv mitsteuern. Genau dort wird unser Input gefragt sein.
Der Übergang beginnt im Dezember
Zum 1. Dezember 2026 nimmt ein Transitionsteam aus bis zu sechs Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wissenschaftsmanagement seine Arbeit auf. Es entwirft bis Ende 2028 vor allem die neue Satzung des NFDI e. V. und gestaltet die Überführung der bestehenden Konsortien in die Fachbereiche. Dieser Übergang ist für die Konsortien finanziell hinterlegt und wird über die Jahre 2029 bis 2032 begleitet.
Insgesamt ist damit eine klare Richtung vorgezeichnet. Viele Detailfragen bleiben offen, und ihre Beantwortung wird auch von unserem Engagement abhängen. Nutzen wir die Perspektive, um uns einzubringen und um unsere Dienste weiter so auszubauen, dass sie in der weiterentwickelten NFDI ihren Platz finden.
Oliver Koepler, Christoph Steinbeck