Technische InChI-Tagung zum Thema Molekulare Anorganik & Stereochemie

Das technische InChI-Treffen zum Thema „Molekulare Anorganik und Stereochemie“ fand am 1. und 2. Juni 2026 an der RWTH Aachen statt. Die Veranstaltung brachte Experten aus Wissenschaft, Industrie, Softwareentwicklung und dem InChI Trust zusammen. Die Teilnehmer*innen reisten aus Europa, Nordamerika und Neuseeland an, um sich mit einer der größten Herausforderungen bei der chemischen Darstellung auseinanderzusetzen: der zuverlässigen Kodierung anorganischer Verbindungen und ihrer Stereochemie im InChI-Rahmenwerk.

Während des zweitägigen Workshops wurden erhebliche Fortschritte im Hinblick auf die bevorstehende Beta-Version der Implementierung zur Behandlung von Bindungen in der molekularen anorganischen Chemie erzielt. Es wurden grundlegende Darstellungskonventionen und Regeln zur Aufhebung von Bindungen vereinbart, die eine solide Grundlage für die neue Funktionalität bilden. Mehrere seit Langem bestehende Sonderfälle, wie beispielsweise Ferrocen, Zeises Salz, Metallhydride und mehrkernige Koordinationssysteme, wurden gelöst, wodurch wesentliche Hindernisse für künftige InChI-Spezifikationen beseitigt wurden.

Ein Schwerpunkt der Tagung war die Entwicklung eines robusten stereochemischen Rahmens für anorganische Moleküle. Die Diskussionen umfassten 2,5-D-Darstellungen, sphärische Koordinationsgeometrien, Konzepte der Haptizität sowie die mögliche Hinzufügung neuer stereochemischer Ebenen. Vorschläge zur Erweiterung der Kodierung der Doppelbindungsstereochemie und zur Verbesserung des Umgangs mit stereochemischer Unsicherheit wurden angenommen, wodurch die Ausdruckskraft von InChI für komplexe Strukturen verbessert wurde.

Zu den strategischen Themen gehörten der allgemeine Fahrplan für die Weiterentwicklung von InChI, Spezifikationsprozesse, Testanforderungen sowie Vorbereitungen für bevorstehende Veröffentlichungen. Im Rahmen des Treffens wurde zudem das wachsende Ökosystem an Tools hervorgehoben, die die Arbeit mit InChI unterstützen. Dabei wurden Prototypen von Visualisierungs- und Interpretationssoftware vorgestellt, die darauf ausgelegt sind, die Transparenz und Benutzerfreundlichkeit für die breitere chemische Community zu verbessern.

Die neuen Funktionen können Sie hier testen.

Die Beiträge der Teilnehmer*innen – Djordje Baljozovic, Felix Bänsch, Nauman Ullah Khan, Jan Brammer, Markus Nietfeld, Ulrich Schatzschneider, Christoph Müller, Gerd Blanke, Richard Hartshorn, Jonathan Goodman, Andrey Erin und Sonja Herres-Pawlis – waren für die Ergebnisse von entscheidender Bedeutung. Finanzielle Unterstützung wurde von der VolkswagenStiftung, dem Beilstein-Institut und NFDI4Chem bereitgestellt.

Die Ergebnisse der Tagung werden die nächste Generation des InChI-Standards unmittelbar prägen, wodurch eine genauere digitale Darstellung immer komplexerer chemischer Strukturen ermöglicht und die Grundsätze der FAIR-Daten, der offenen Wissenschaft und der globalen Cheminformatik gestärkt werden.