90 Teilnehmer*innen (Beteiligte und Gäste) folgten unserer Einladung zum NFDI4Chem Consortium Meeting 7.0, das am 12. und 13. Mai 2026 in Jena stattfand. Das zentrale Thema war die Weiterentwicklung unserer Dienste und Services in der zweiten Förderperiode. Im Fokus standen datengetriebene Workflows, die Integration von KI-Methoden, die Weiterentwicklung interoperabler Infrastrukturen sowie die engere Zusammenarbeit mit anderen Konsortien.
Nach der Eröffnung des Consortium Meetings durch Prof. Andreas Marx, dem Präsidenten der Universität Jena, lieferte Kevin Jablonka den Einstieg in die Vorträge, dessen Keynote datengetriebene Methoden in der Materialforschung behandelte. Diskutiert wurde insbesondere die Leistungsfähigkeit großer Sprachmodelle bei der Extraktion und Interpretation chemischer Informationen aus der Literatur. Dabei zeigte sich, dass Modelle durch interne Konsistenzmechanismen in bestimmten Aufgaben vergleichbare oder bessere Ergebnisse als Menschen liefern können, jedoch weiterhin anfällig für systematische Fehlinterpretationen sind und chemische Logik bisher nicht beherrschen. Domänenspezifisches Wissen bleibt daher notwendig, insbesondere zur Bewertung von Modellresultaten und zur Definition sinnvoller Einschränkungen im Suchraum (z. B. durch harte und weiche Constraints).
Reports der Task Areas
TA2 berichtete über den aktuellen Umsetzungsstand, die Verbreitung von Chemotion ELN sowie weitere Planungen. Fortschritte gibt es bei der Domänenabdeckung, der KI-gestützten Entwicklung und neuen Elementen wie Enzymen, Geräten und Gefäßen.
TA3 gab einen Überblick über die Repositorien der Föderation. Geplant sind ein Ausbau der Betriebsfunktionen, weitere FAIRification, eine Harmonisierung der Repos, die Entwicklung von Service Operation Modesl und die Vergrößerung der Föderartion.
Bei TA5 stand der Arbeitsplan bis 2028 im Mittelpunkt. Dazu gehören der Ausbau der Community Aktivitäten auf Social Media etc, ein ausdifferenziertes Workshop-Programm und eine Fortsetzung der internationalen Tätigkeiten wie im InChI-Board oder der ECTN.
TA1 informierte über den Stand der Bund-Länder-Vereinbarung, Erfolgs-Diagnostiken sowie Fortschritte und Hindernisse bei der Einführung der Noco-DB als zentralem Info-Tool.
TA4 und TA6 legten ihren Bericht zusammen. Entwicklungen bei den MiChIs, Ontologien und Standards standen im Mittelpunkt. Besonderen Raum nahm der neue ChemDCAT-AP ein. International sind wir mit Editors4Chem, Ontologies4Chem und der Workshop Series on sustainable digital chemical data standards sehr gut eingebunden..
Die Abendvorlesung von Bernhard Sabel (eine Aufzeichung finden Sie auf Youtube) lenkte den Blick auf Herausforderungen im wissenschaftlichen Publikationssystem, insbesondere auf den zunehmenden Einfluss von Fake-Publikationen und „Paper Mills“. Die Diskussion machte deutlich, dass transparente Daten, nachvollziehbare Workflows und neue Formen der Qualitätssicherung eine wichtige Rolle für die Integrität der Wissenschaft spielen sollten.
Workshops
Bereits im Pre-Workshop wurde die Bedeutung standardisierter Datenmodelle für die Nachnutzbarkeit chemischer Daten hervorgehoben. Am Beispiel von EnzymeML wurde gezeigt, wie strukturierte Austauschformate eine FAIR-konforme Beschreibung enzymkatalysierter Reaktionen ermöglichen. Herausforderungen bleiben insbesondere nicht-maschinenlesbare Literaturdaten, heterogene Metadaten und uneinheitliche Benennungen. Neue Ansätze wie LLM-gestützte Werkzeuge zur Transformation experimenteller Rohdaten in strukturierte Formate (z. B. JSON) verdeutlichen das Potenzial automatisierter Datenaufbereitung, setzen jedoch konsistente Datenmodelle voraus.
Am zweiten Tag fokussierte der Workshop “Man or Machine: Who should the NFDI4Chem repositories serve?” auf die Nutzung von Daten durch Menschen und/ oder Maschinen. Konsens war, dass Dateneingabeprozesse niedrigschwellig und forschungsnah gestaltet werden müssen, während Ausgabeschnittstellen zunehmend API-basiert und maschinenlesbar sein sollten.
Im zweiten Workshop “Plant a seed: How can we spread the idea of “FAIR data” across Germany?” wurden kreative Ansätze adressiert, die bereits bestehenden Tools und Angebote breit zu kommunizieren und den Kulturwandel hin zu FAIRem Datenmanagement zu fördern. Vorschläge zielten darauf ab, Forschungsdaten-Kompetenzen sowohl durch Top-down- als auch Bottom-up-Ansätze zu fördern, spezielle Social-Media-Kampagnen (z. B. „Tool Tuesday“), Anreizsysteme oder mandatierte NFDI-Botschafter einzurichten.

Picture: CC-BY-SA Kohulan Rajan
Interkonsortialtreffen
Außerdem lud NFDI4Chem weitere natur- und lebenswissenschaftliche NFDI-Konsortien mit Chemie-Bezug zu einem interkonsortialen Workshop ein. Der Fokus dieses 2-stündigen Workshops war die Kartierung von Services und Aktivitäten der sieben anwesenden Konsortien. Dabei wurden vielfach mögliche Synergien und zukünftige Kooperationsprojekte identifiziert: Services, deren Nutzergruppe auf die Communities anderer Konsortien ausgeweitet werden kann; Tools verschiedener Konsortien, die gut ineinandergreifen können; ähnliche Aktivitäten, die gebündelt werden sollen, insbesondere beim Community Support. Der Workshop markierte den Auftakt weiterer Gespräche und Kooperationen zwischen den Konsortien.
Treffen mit den Beiräten
Während des Consortium Meetings fand auch das Treffen mit den Beiräten (Advisory Boards) und einem Vertreter der DFG statt. Diskutiert wurden unter anderem, wie NFDI4Chem Anforderungen im digitalen Datenmanagement in der chemischen Industrie aufgreifen und in Trainingsprogrammen und in den Maßnahmen zur Modernisierung der Chemie-Studiengänge berücksichtigen kann. Ein weiteres grundsätzliches Thema war der kulturelle Wandel, der nach 5 Jahren NFDI4Chem in der Community jetzt ankommt.