3. Editors4Chem Workshop

Bericht über das Treffen in Aachen im März 2026

Beim 3. Editors4Chem-Workshop in Aachen brachte NFDI4Chem wichtige Akteure aus dem gesamten Ökosystem des chemischen Verlagswesens zusammen, darunter Vertreter von IUPAC, CODATA, Physical Sciences Data Infrastructure (PSDI), Royal Society of Chemistry, CCDC – The Cambridge Crystallographic Data Centre sowie Thieme, Wiley-VCH, Springer Nature, das Beilstein-Institut und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). An zwei intensiven Tagen diskutierten die Teilnehmer, wie das wissenschaftliche Publizieren im Hinblick auf eine engere und effektivere Integration von Forschungsdaten vorangebracht werden kann.

Die Diskussionen machten vor allem eines deutlich: Obwohl zuverlässige und fachspezifische Infrastrukturen wie Chemotion, MassBank, nmrxiv und RADAR4Chem bereits vorhanden waren, waren derzeit weniger als 5 % der chemischen Publikationen mit den zugrunde liegenden Forschungsdaten in Repositorien verknüpft. Die Einschränkung lag nicht in der Technologie, sondern in der Art und Weise, wie wissenschaftliche Kommunikation praktiziert wurde.

Aktueller Stand der Datenveröffentlichung

Die Teilnehmer untersuchten sowohl die technischen als auch die kulturellen Aspekte dieser Lücke. Am ersten Tag lag der Schwerpunkt auf dem aktuellen Stand der Datenveröffentlichung. Es zeigte sich, dass die meisten Förderer die Hinterlegung von FAIR-Daten bereits förderten oder vorschrieben, wobei die DFG auf ihre Leitlinien zur guten wissenschaftlichen Praxis hinwies. Gleichzeitig wurden die Vorteile von FAIR-Daten für Transparenz, Reproduzierbarkeit und Wiederverwendung allgemein anerkannt. Die Gruppe war sich jedoch einig, dass Vorschriften allein nicht ausreichten, um eine breite Akzeptanz zu erreichen.

Stattdessen wurde in den Diskussionen betont, wie wichtig Anreize, greifbare Vorteile und gemeinschaftliches Engagement sind. Erfahrungen aus Bereichen wie der Kristallographie zeigten, dass der Übergang zur routinemäßigen Datenhinterlegung mehr als ein Jahrzehnt gedauert hatte. Auch wenn der Chemie-Fachbereich nicht über denselben Zeitrahmen verfügte, schien der Weg dorthin ähnlich zu sein: Ein nachhaltiger Wandel erforderte eine Veränderung sowohl der Praktiken als auch der Denkweise.

Auf der Grundlage dieses gemeinsamen Verständnisses erarbeiteten die Teilnehmer gemeinsam ein gemeinsames Memorandum zu offenen und verantwortungsvollen Daten in der Chemie. Dieser partizipative Prozess zielte darauf ab, gemeinsame Grundsätze und konkrete Maßnahmen zu definieren, um die Veröffentlichung von FAIR-Daten unter allen Beteiligten zu fördern. Die Initiative blieb offen, und weitere Verlage wurden ausdrücklich eingeladen, sich anzuschließen und einen Beitrag zu leisten.

Technische Arbeitsabläufe

Am zweiten Tag standen technische Arbeitsabläufe im Mittelpunkt, die Autoren und Gutachter während des Publikationsprozesses unterstützen. Zu den Themen gehörten Validierungstools und Mechanismen zur besseren Integration der Dateneinreichung in redaktionelle Abläufe. Diese Diskussionen machten deutlich, dass nutzerorientierte Lösungen entscheidend sind, um Hindernisse abzubauen und FAIR-Datenpraktiken in die alltäglichen Forschungsabläufe zu integrieren.

Ergebnisse

Im Laufe des Workshops zeichnete sich ein breiter Konsens ab: Die technische Infrastruktur für FAIR-Daten sei zwar vorhanden, doch sei noch ein kultureller Wandel erforderlich, um die Veröffentlichung von Daten zur gängigen Praxis zu machen. Um diesen Wandel zu erreichen, seien koordinierte Anstrengungen von Verlagen, Förderorganisationen, Infrastrukturanbietern und Forschungsgemeinschaften erforderlich.

Die Ergebnisse des Workshops werden direkt in die Fertigstellung des gemeinsamen Memorandums einfließen und stellen einen wichtigen Schritt hin zu einer transparenteren, vernetzten und verantwortungsvollen Chemieforschung dar. Dieser in Aachen begonnene Dialog wird beim 4. Editors4Chem-Workshop im September 2026 fortgesetzt.